Tiefenentspannung

Wir alle leben häufig mit der Vorstellung, dass wir dieses oder jenes erreichen müssen, dass wir uns beweisen müssen. Und allzu oft nehmen wir uns andere Menschen zum Vorbild und streben danach zu sein, wie andere sind.

Und so stehen wir ständig unter Anspannung, erliegen dem Stress und der Hektik, die wir oftmals selbst erzeugen und vergeuden unsere Kraft und Energie.

Dabei liegt es allein an uns selbst und in selbst, Kraft und Ruhe für das Leben zu finden, den Moment wirklich zu spüren und zu er-leben und den Herausforderungen des Alltags mit etwas mehr Gelassenheit zu begegnen. Wir müssen nur ab und zu den Blick nach Innen richten.

 

 

Allgemeines

Die Tiefenentspannung ist eine von vielen Entspannungsmethoden, die der Regeneration von Körper und Geist ebenso dienen können und sollen, wie der Selbstfindung oder der Erweiterung des Geistes und der Persönlichkeit.

Allen Entspannungsmethoden gleichermassen zu eigen ist eine mehr oder weniger vollständige Trennung des vollkommen wachen Geistes von äußeren Reizen und Einflüssen. Dabei öffnet sich das Bewußtsein für das Unterbewußtsein und lässt so ein freies Er-leben von Traumwelten oder Phantasiereisen ebenso zu, wie die durchaus bewußt gesteuerte Konzentration auf imaginäre Orte oder Punkte im Universum.

Die einfachste Form der Entspannung ist der Schlaf. Während im Wachzustand das Unterbewußtsein fast vollständig von unserem Bewußtsein entkoppelt ist (obwohl das Unterbewußtsein 90% unserer Aktivitäten steuert), öffnet sich im Schlaf das Tor zwischen Bewußtsein und Unterbewußtsein, während der Einfluss von Reizen aus der Umwelt mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Bilder und Reize aus dem Unterbewußtsein werden zu Träumen, die durchaus recht intensiv erlebt werden, solange diese Reize das Bewußtsein noch erreichen können. Im absoluten Tiefschlaf schließlich ist das Bewußtsein vollständig ausgeschaltet – äußere Reize werden nicht mehr aufgenommen, aber auch Reize aus dem Unterbewußtsein können nicht mehr verarbeitet werden und werden am nächsten Tag auch nicht mehr erinnert.

Entspannungsverfahren versuchen nun eine Phase zwischen vollkommen wachem Zustand und dem Schlaf zu erreichen, um Körper und Geist gleichermassen die Möglichkeit zur Regeneration – zur „Erfrischung“ – zu geben. Die willkürlichen Funktionen des Körpers werden reduziert und das vegetative Nervensystem ist vorherrschend. Dabei werden alle Muskeln weitestgehend entspannt und fehlende Energiereserven können wieder aufgeladen werden. Gleichzeitig wird der Einfluss von Umweltreizen reduziert, das Tor zum Unterbewußtsein öffnet sich und erlaubt so Reisen durch Zeit und Raum.

Verschiedene Entspannungsverfahren unterscheiden sich zum einen in der Ausführung, durch die Tiefe der Entspannung und durch den Konzentrationsfokus.

In der Ausführung von Entspannungsverfahren kann man unterscheiden zwischen Selbst-Entspannung und geführter Entspannung durch einen Therapeuten. Selbst-Entspannungsmethoden sind z.B. autogenes Training und Meditation, während die Tiefenentspannung zu den geführten Entspannungstechniken gehört. Natürlich kann auch die meisten Selbst-Entspannungsmethoden als geführte Methoden geübt werden.

Eine Einordnung der Entspannungsmethoden nach der tiefe der Entspannung ist nicht einfach. Die tiefe der Entspannung hängt natürlich ganz wesentlich auch vom Erfahrenden selbst ab. Je mehr der Erfahrenden die Bereitschaft zeigt, sich fallen zu lassen und vertrauen zu sich selbst und/oder dem führenden Therapeuten hat, desto tiefer kann die Entspannung werden und desto schneller kann auch ein tiefer Entspannungszustand erreicht werden. Vertrauen ist also ein wesentlicher Bestandteil jeder Entspannungstechnik – ebenso, wie die Bereitschaft zum „Loslassen“.

Der Konzentrationsfokus kann in den meisten Entspannungstechniken frei gewählt werden. Darunter versteht man Unterschiede in der Bewußtseinskonzentration während der Entspannung. Während die einen es vorziehen, sich auf einen einzelnen Punkt, einen Gegenstand, ein Wort, einen Laut oder einen Raum zu konzentrieren (Chakra-, Mudra-, Mantra-Meditationen) und somit den Fokus bewußt klein und vielleicht eher nach Innen gerichtet wählen, richten die anderen Ihren Fokus eher nach außen, lassen den Geist sich frei entfalten, bereisen im Geiste ferne Länder, Phantasiewelten oder versuchen sich selbst im Universum aufzulösen und so eine unendliche Freiheit im Geiste zu fühlen.

Die geführte Tiefenentspannung arbeitet mit Imaginationen, Visualisierungen und Induktionen, meist in Form von Phantasiereisen, die dem Übenden – neben der Entspannung selbst – ein positives Lebensgefühl vermitteln und den Blick auf ein bewußteres Leben öffnen sollen.


Viele Menschen stehen gerade geführten Entspannungsverfahren skeptisch gegenüber. Hier spielt die Angst vor Kontrollverlust eine zentrale Rolle.

Tatsächlich kommt es bei der Tiefenentspannung – wie auch bei fast allen anderen Entspannungsverfahren – nicht zu einem Kontrollverlust. Im „schlimmsten“ Fall wird die Grenze zum Schlaf überschritten und der Übende schläft einfach ein. Aber hierbei handelt es sich i.d.R. um einen leichten, oberflächlichen Schlaf, aus dem man ebenso leicht auch wieder erwacht.

Das Ziel einer geführten Tiefenentspannung ist eine tiefe Entspannung – also eine Unterdrückung äußerer Umwelteinflüsse bei gleichzeitiger Öffnung einer Verbindung zwischen Bewußtsein und Unterbewußtsein. Dennoch bleibt das Bewußtsein durchaus erhalten, damit die vom Therapeuten vermittelten Bilder bewußt aufgenommen und verarbeitet werden. Ein Kontrollverlust findet also nicht statt.

Natürlich ist bei allen Entspannungsverfahren das Vertrauen in den Therapeuten (den Führenden) von zentraler Bedeutung. Nur mit einem Mindestmass an Vertrauen kann es überhaupt gelingen, sich fallen zu lassen und die Tiefenentspannung wirklich zu erleben und zu geniessen. Manche Menschen brauchen einige Zeit, um dieses Vertrauen auch zu sich selbst zu entwickeln und erleben den tiefen Entspannungszustand erst nach einigen Anläufen.

Welches Entspannungsverfahren man auch immer wählt - sie alle bieten neben der körperlichen und geistigen Regeneration auch die Chance auf eine Erweiterung des Bewußtseins, auf ein besseres sich-selbst-erkennen und auf ein bewußteres Leben. Ängste sind hier unbegründet.